Die Orgel

Die Michelstädter Stadtkirche blickt auf eine über 400-jährige Orgelgeschichte zurück. Berühmte Orgelbauer wie die Gebrüder Stumm oder die Firma Steinmeyer haben in unserer Stadtkirche bedeutende Orgelwerke aufgestellt. Die technischen und ästhetischen Veränderungen der Epochen haben immer wieder technische und klangliche Veränderungen nach sich gezogen. So war die ursprünglich barock-klassisch disponierte Orgel der Gebrüder Stumm ein in sich geschlossenes Klangbild. Ebenso war die 1910/11 von der Firma Steinmeyer romantisch disponierte Orgel ein ihrer Zeit adäquates Instrument. Der technische Verfall der Instrumente hatte immer wieder Reparaturen nach sich gezogen, so dass man sich 1969 entschloss, ein Instrument der Firma Bosch zu bauen. Dieses Instrument war einem neobarocken Klangideal verpflichtet, das durch seine geringe Grundtönigkeit und sehr hoch liegende Farben gekennzeichnet war. Die Charakteristik der einzelnen Register war nicht immer plastisch genug. Die technischen Teile der Orgel unterlagen in den letzten 30 Jahren dem Verschleiß, so dass sich die Frage nach Restaurierung bzw. Neubau und Neukonzeption der Orgel stellte. Da die Orgel weder klanglich noch technisch den heutigen Ansprüchen gerecht wurde und eine Reparatur bzw. Restaurierung nur punktuelle Verbesserungen gebracht hätten, entschloss man sich für einen Neubau unter Verwendung noch brauchbarer Pfeifen. Mit diesen Arbeiten wurde die Firma Jann, Laberweinting, 1998 beauftragt. Bei der Bestandsaufnahme der alten Bosch-Orgel entdeckte man noch sehr wertvolles Pfeifenmaterial aus der romantischen Orgel der Firma Steinmeyer (Prinzipal 8’, Saliconial 8’). Da die Seele des Instrumentes trotz neobarocker Umbauten der 60er Jahre romantisch geblieben ist, entschied man sich, konzeptionell für ein größeres, romantisch disponiertes Orgelwerk. Hierzu bedurfte es einiger entscheidender Erweiterungen, um die Grundtönigkeit und die tiefen, satten Farben einer romantischen Orgel zu bekommen. So wurde ein schlüssiges Konzept erarbeitet und die Orgel von 32 auf 42 Register und ihrer klanglichen Selbständigkeit. Mit dem Neubau erreichte man ein den heutigen technischen Anforderungen genügendes Instrument, das durch seine Klangerweiterungen eine schier unzählige Anzahl an Klangmöglichkeiten bietet. Die Größe der Orgel eröffnet durch die differenzierte Intonation ihrer Werke (Schwellwerk, Hauptwerk, Rückpositiv) vielfältige Möglichkeiten, Orgelwerke aller musikalischen Epochen sehr gut zu interpretieren. Damit hat die Region eine bedeutende Orgel gewonnen, die über die Stadtgrenzen Michelstadts hinaus große Beachtung findet und Organisten, Orgelsachverständige sowie Zuhörer aus Nah und Fern in ihren Bann zieht.

Die Disposition:

Hauptwerk II. Manual C-g³  
Bourdon 19'
Prinzipal 8'
Gedeckt 8'
Viol di Gamba 4'
Octav 4'
Blockflöte 4'
Quint 2 2/3'
Superoctav 2'
Mixtur I 4f 2'
Mixtur II 2f 1/2'
Cornett 5f ab g 0 8'
Trompete 8'
Rückpositiv I. Manual  
Holzgedackt 8
Gemshorn 8
Prinzipal 4
Rohrflöte 4
Octav 2
Sesquialtera 2f 2 2/3'
Sifflöte 1 1/3'
Cimbel 3f 1'
Krummhorn 8'
Tremulant  
Schwellwerk III. Manual  
Bourdon 16'
Hohlflöt 8'
Salicional 8'
Voix celeste 8'
Metallgedackt 8'
Prinzipal 4'
Gedacktflöte 4'
Nasat 2 2/3'
Octav 2'
Terz 1 3/5'
Fourniture 4-5-f 2'
Fagott 16'
Oboe 8'
Tremulant  
Pedal C-f1  
Violon 16'
Subbaß 16'
Quintbaß 10 2/3
Octavbaß 8'
Spitzflöte 8'
Cello 8'
Choralbaß 4'
Hintersatz 3f 2 2/3'
Posaune 16'
Trompete 8'

Koppeln
III/II    I/II    III/I
I/Ped    II/Ped    III/Ped

Setzer 4 x 64

Full BG Kirche Michelstadt