Stehauf-Menschen

„Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden!“
Johannes 16,20

Liebe Leserinnen und Leser!

Vielleicht sind auch Sie schon einmal einem Men­schen begegnet, der trotz schwerster Krise oder Krankheit eine Zuversicht und Lebensfreude ausstrahlt, die beeindrucken.

Ich staune immer wieder, wenn ich so jemanden treffe, mit dieser Widerstandskraft zum Guten. An solchen Menschen scheinen alle Schwierigkeiten folgenlos vorüber zu gehen. Es sind Stehauf-Menschen.

In der Psychologie nennt man dieses Phänomen „Resilienz“. Dabei ist Resilienz weniger als Schutzschild zu verstehen, sondern vielmehr als Gabe, in Schwierigkeiten Herausforderungen zu sehen und zu glauben, dass man selbst aus der bösesten Sache irgendwie doch noch gut heraus kommen kann.

Martin Luther hat dies in einem deftigen Bild veranschaulicht: Aus Mist kann Dünger werden. Aus dem Alten, das uns stinkt, kann Neues wachsen. Aber was fördert diese Verwandlung von Bösem zum Guten?

Die Resilienzforschung sagt: heilsame Beziehungen! Gerade auch die Einbindung in eine religiöse Gemeinschaft. Menschen, die mit uns Werte und Überzeugungen teilen und der Glaube an einen Gott, der trägt – auch dann, wenn nichts mehr hält.

„Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“ Ein steiler Satz, den Paulus uns als Christengemeinde im Römerbrief hinterlassen hat.

Aber zum einen weiß er, wovon er redet: Hat er doch auf seinen weiten Missionsreisen Krankheit, Gefängnis und Gefahren durchleben müssen. Dennoch bleibt er guten Mutes.

Zum andern gab und gibt es immer wieder Menschen mit ähnlichen Erfahrungen. Ich denke da an Nelson Mandela, der mit Lebensmut und Lebenskraft alle Demütigungen der Gefangenschaft überwindet und schließlich zu einem weisen und geachteten Staatspräsidenten wird. Oder Dietrich Bonhoeffer: Er schreibt aus der Nazi-Haft Verse, die Menschen bis heute berühren und bewahren: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag“.

Ja, er ist bei uns, selbst wenn wir´s nicht spüren: der Gott, der in Jesus Christus für uns und mit uns durchs Leiden geht. Der um die Zumutung des Leides weiß, aber auch um dessen Verwandlung.

„Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden“, verheißt uns der, welcher selbst diese Verwandlung durchlitten und durchlebt hat – Jesus Christus.

Auch wenn es kein Automatismus ist, sondern Wunder bleibt, dass unsere Traurigkeit sich in Freude verwandelt, wird dies doch immer wieder dort erfahrbar, wo Menschen sich einlassen auf unser Schicksal und uns Mut machen zum Leben. Und dort, wo wir uns auf einen Gott einlassen, der uns diese wunderbare Kraft schenkt, aus aller Niedergeschlagenheit aufzustehn!

 

Ihr Pfarrer
Frank Seeger

Full BG Kirche Michelstadt