Machen Sie's gut!

Liebe Leserinnen und Leser,

der Ehrliche ist der Dumme. So lautet ein Sprichwort. Etwa, wenn die Lehrerin bei der Klassenarbeit fragt: „Hast du gespickt?“ Der Schüler nickt verlegen mit dem Kopf und bekommt eine schlechte Note auf seine Arbeit. Vielleicht denkt er dann: „Hätte ich doch besser den Kopf geschüttelt.“

Andererseits gibt es folgende alte Weisheit: „Ehrlich währt am längsten.“ Durchaus. Ich denke z.B. an den Dieselskandal. Da gab es Autohersteller, denen eine aufwendige Abgasreinigung zu teuer war. Also wurde die Motorsoftware, die als Betriebsgeheimnis geschützt ist, so manipuliert, dass die Abgase nur auf Prüfständen in Ordnung waren. Nach der Devise: „Das macht doch nichts. Das merkt doch keiner.“ Aber dann kam es, wie es kommen musste: Der Schwindel flog auf. Die Strafzahlungen kommen die Schummel-Konzerne am Ende teurer als der Betrugsvorteil war. Andere Autohersteller, die sich an die Regeln hielten, haben letztlich profitiert. Ehrlich währt am längsten, auch wenn der Ehrliche manchmal der Dumme ist. Die Realität lässt sich nicht fälschen. Alles hinlässt Spuren und hat Konsequenzen – im Guten wie im Bösen.

Das wusste auch Apostel Paulus als er den Glaubensgeschwistern in Rom empfahl: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Römer 12, 21)
Hört sich gut an. Aber ist immer so eindeutig, was gut oder böse ist? Beides entscheidet sich in einer Beziehung: Gut oder böse sind wir im unserem Verhältnis zu Menschen, zur Schöpfung oder zu Gott. Böse ist, was einem anderen Menschen nicht gut tut. Umgekehrt gilt der Satz Jesu für das Gute: „Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!“ Im Zweifelsfall hilft unser Gewissen, gute Entscheidungen zu treffen.

Trotz allem Bösen scheint das Gute in dieser Welt die Nase vorn zu haben. Schließlich haben heute die meisten der 8 Milliarden Menschen ein gutes und langes Leben, trotz vieler Kriege, Umweltverschmutzung und Ungerechtigkeiten. Keine heile Welt, aber eine, die mehr gut als böse ist. Natürlich gibt es noch viel zu tun, damit es besser wird. Gottes Schöpfung ist noch nicht erlöst.

Dabei setzt Paulus voraus, dass wir Menschen zum Guten fähig, aber auch immer wieder mit Bösem konfrontiert sind – um uns und in uns. Er rät, in einem Konflikt nicht dem ersten Impuls zu folgen; nicht gleich zurück zu schlagen, wenn uns jemand verletzt. „Ist´s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden … Wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken.“ Das ist eine kluge Deeskalations-Strategie. Sie macht das Feind-Spiel nicht mit, sondern eröffnet ein Freundschaftsspiel. Das zu leben ist allerdings schwer. Doch es lohnt!

Denn Feindschaft kostet viel Energie, die dann für ein gutes Leben fehlt. Auch im Urlaub denkst du noch an deinen Widersacher. Darum tu dir selbst einen Gefallen: Mach aus deinem Feind einen Mitmenschen und behandle ihn so, wie du behandelt werden möchtest. Das ist nicht immer einfach, aber grundsätzlich möglich. Jesus hat es vorgelebt. Gott traut es uns zu und stärkt uns dafür; denn er hat uns zum Guten begabt. Machen Sie´s gut.

Ihr Pfarrer Frank Seeger

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